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Mit eBay europaweit verkaufen: Händlertipps für Cross-Border Trade

Geschrieben von Jana Röger | 26.01.2026 10:45

 

Heavy Tuned zählt zu den vielseitigsten und führenden E-Commerce-Unternehmen in Deutschland für Ersatz- und Tuningteile rund ums Zweirad.
Von Uetze-Hänigsen bei Hannover aus bietet das Team weltweit über 300.000 Artikel für mehr als 60.000 Motorrad-, Roller- und Zweiradmodelle – mit globalem, schnellem und zuverlässigem Versand.

Im Interview mit eBay x PlentyONE zeigt Gründer und Geschäftsführer Peer Marten Lautenschläger, wie sich internationale eBay-Verkäufe von Preislogik über Versand bis hin zu Steuern und Datenqualität strukturiert aufsetzen lassen. Dabei spricht er offen über Herausforderungen, Learnings und Best Practices – und welche Rolle PlentyONE für skalierbare Prozesse im Cross-Border Trade (CBT) spielt. 


Einstieg in den internationalen Marktplatzverkauf – Die Geschichte von Heavy Tuned. 


🎙️Seit wann verkauft ihr bei eBay, und was hat dich damals zur Plattform gebracht?

💬 Peer: Ich habe 2003 angefangen komplette Roller und Motorräder zu kaufen, sie zu zerlegen und die Einzelteile bei eBay zu verkaufen. So habe ich gemerkt, wie stark die Nachfrage ist und wie gut die Plattform funktioniert.

Im Dezember 2005 habe ich dann den gewerblichen Heavy-Tuned-eBay-Account gegründet. eBay war für mich der erste echte Vertriebskanal, um aus dem Schrauber-Hobby ein ernsthaftes Geschäft zu machen. Ohne eBay hätte es Heavy Tuned in der heutigen Form wahrscheinlich nicht gegeben. Heute bewegen wir europaweit mehrere hunderttausend Artikel über verschiedene Marktplätze und eigene Shops. 

 

🎙️Welche Produkte bietet Heavy Tuned? Wer ist eure Hauptkundschaft?

💬 Peer: Unser Fokus liegt auf Ersatz- und Verschleißteile, Batterien, Auspuffanlagen, Tuningartikel und Zubehör für Scooter, Maxi-Scooter, Mopeds, Motorräder und Klassiker wie Vespa oder Simson.

Unsere Hauptkunden sind zum einen Endkunden, also Fahrer, die selbst schrauben, zum anderen kleine Werkstätten und Wiederverkäufer, die unsere Teile regelmäßig über eBay beziehen.


🎙️Wann habt ihr begonnen, international zu verkaufen – und was war eure Motivation?

💬 Peer: International richtig begonnen haben wir, als die ersten Bestellungen aus dem Ausland kamen. Schnell wurde klar: Die Nachfrage nach Zweiradteilen hört an der Grenze nicht auf.  Als sich immer mehr Kunden aus ganz Europa aktiv bei uns meldeten, habe ich bewusst entschieden, unseren Cross-Border Handel professionell aufzusetzen, statt internationale Verkäufe nebenbei laufen zu lassen. Sprich: richtige Versandprofile, eigene Preislogik und später auch getrennte eBay-Länderplattformen.

Meine Motivation dahinter war zweigeteilt: mehr Umsatz mit bestehenden Produkten und eine bessere Risikostreuung über mehrere Märkte.


🎙️Mit welchen internationalen Märkten seid ihr gestartet und warum?

💬 Peer: Wir sind mit Verkäufen nach Österreich und Frankreich auf eBay gestartet, später kamen Italien, Spanien und UK dazu. Österreich war für uns sprachlich und logistisch der naheliegendste Schritt. Frankreich und Italien haben wir gewählt, weil dort eine ausgeprägte Roller- und Motorradkultur mit vielen Fahrern existiert, die genau zu unserem Sortiment passt.

Skalieren ohne Chaos – Wie PlentyONE im Cross-Border Trade unterstützt

Cross-Border-Trade eröffnet E-Commerce-Merchants neue Umsatzpotenziale – bringt aber auch mehr Komplexität mit sich. 

🎙️Welche Rolle hat PlentyONE dabei gespielt, eure internationalen Verkäufe zu ermöglichen?

💬 Peer: Plenty war die Basis, um das überhaupt sinnvoll zu skalieren.

Ohne eine zentrale Warenwirtschaft und stabile Marktplatzanbindung wäre internationaler Handel mit unserem Sortiment kaum beherrschbar. Die Multichannel-Plattform hat dafür gesorgt, dass Bestände, Preise, Listings und Versandprozesse nicht im Chaos enden.

Damals gab es neben "Plentymarkets" (heute PlentyONE) im Grunde nur Afterbuy als echte Alternative. Ich habe 2010 die Kollegen rund um Gründer Jan Griesel in Kassel besucht. Die Büroräume mit knapp 20 Mitarbeitenden waren noch sehr überschaubar, aber mich haben das Team und die Dynamik direkt überzeugt. Deshalb haben wir uns damals ganz bewusst entschieden, den Weg mit Plenty zu gehen.


🎙️ Wie hat euch PlentyONE bei der Verwaltung internationaler Angebote, Bestellungen und Logistik unterstützt?

💬 Peer: Plenty ist für uns die zentrale Steuerungszentrale. Alle eBay-Länderaccounts laufen dort zusammen.

  • Wir pflegen Artikeldaten einmal zentral und steuern daraus die internationalen Listings.
  • Bestände werden fast in Echtzeit synchronisiert,
  • Bestellungen laufen gebündelt ins System,
  • und die Versandabwicklung mit verschiedenen Dienstleistern passiert über definierte Workflows bzw. Ereignisaktionen.

 




🎙️War die Integration von eBay und PlentyONE für euch unkompliziert?

💬 Peer: Technisch ja, operativ braucht es Disziplin. Die Anbindung selbst ist gut gelöst, aber man muss sich mit den Einstellungen beschäftigen: Kategorien, Versandprofile, Zahlarten, Business Policies.

Wer sich die Zeit am Anfang nicht nimmt, hat später Probleme.


🎙️  Welche Funktionen oder Automatisierungen waren besonders hilfreich, um international zu skalieren?

💬 Peer: Wichtige Punkte für uns:

  • Zentrale Bestandsführung für alle Märkte
  • Unterschiedliche Preisregeln pro Land, um Währung, Versandkosten und Gebühren abzubilden
  • Automatisierte Versandprofile und Zuordnung zu den passenden Dienstleistern
  • Vorlagen für eBay-Angebote, damit wir nicht jeden Artikel manuell anfassen müssen


🎙️ Habt ihr Übersetzungen, Preisgestaltung und Versandoptionen über Plenty eingerichtet oder manuell gepflegt?

💬 Peer:  Wir arbeiten mit einem Mix.

Preise, Versandprofile und viele Regeln laufen direkt über Plenty. Bei Übersetzungen haben wir am Anfang viel manuell und mit externen Partnern gemacht, später mit Unterstützung von Tools. Mir ist wichtig, dass technische Begriffe in der Zielsprache wirklich passen. Das ist für Retourenquote und Kundenzufriedenheit entscheidend.

Herausforderungen im Cross-Border Trade - Learnings & Anforderungen aus der Praxis


🎙️ Was waren die größten Herausforderungen zu Beginn des internationalen Geschäfts?

💬 Peer: Die Kombination aus Sprache, Logistik und Recht.

  • Sprache, weil technische Teile in jeder Sprache ihre eigenen Begriffe haben.
  • Logistik, weil Versandlaufzeiten, Schäden und Retouren deutlich komplexer sind.
  • Recht und Steuern, weil jedes Land eigene Besonderheiten bei Umsatzsteuer, EPR und Batterieregeln hat.

 

🎙️ Wie seid ihr mit Themen wie Zoll, Steuern und Mehrwertsteuer in anderen Ländern umgegangen?

💬 Peer: Ich habe relativ früh mit einem spezialisierten Steuerberater zusammengearbeitet und mir die Themen OSS, Lieferschwellen und Registrierung sauber aufsetzen lassen. Für Zoll und UK nach dem Brexit haben wir Prozesse mit unseren Versanddienstleistern definiert und intern klare Regeln für Verzollung und Dokumentation eingeführt.

Mein Ansatz: Lieber einmal sauber investieren, als später ständig Ärger mit Finanzämtern und Kunden haben. Gerade in frühen Jahren habe ich genug Lehrgeld zahlen müssen...

 

🎙️ Gab es Unterschiede oder Überraschungen bei Kundenerwartungen, Retouren oder Versand?

💬 Peer: Ja, deutlich:

  • In manchen Ländern ist die Erwartung an Lieferzeiten höher, in anderen ist man geduldiger.
  • Themen wie Verpackungsqualität und Anleitungen werden unterschiedlich wichtig wahrgenommen.
  • Retourenquoten schwanken je nach Markt und Produktkategorie. 
Das Wichtigste ist, jede Region wie einen eigenen Markt zu behandeln und nicht zu glauben, man könne einfach 1:1 Deutschland kopieren.

 

🎙️ Wenn du heute zurückblickst – was würdest du anders machen?

💬 Peer: Ich würde früher Prozesse standardisieren und dokumentieren. Am Anfang haben wir zu viel improvisiert. Und ich würde von Beginn an mit klaren Produktpaketen in neue Länder gehen, statt alles auf einmal international zu schalten. Weniger Artikel, dafür sauber aufgesetzt.


🎙️ Welche Herausforderungen gibt es heute noch für euch im Cross-Border-Handel?

💬 Peer: Cross Border Trading ist kein Projekt, das man einmal erledigt hat. Das ist ein Dauerlauf. Insbesondere in Bezug auf:

  • Steuerthemen, die sich ständig ändern.
  • Unterschiedliche Umwelt- und Produktvorschriften, etwa bei Batterien oder Gefahrgut.
  • Komplexe Retourenlogistik über Grenzen hinweg.
  • Datenqualität bei internationalen Fahrzeugzuordnungen. 


🎙️ Welche Prozesse sollten deiner Meinung nach vereinfacht werden?

💬 Peer: Viele Händler scheitern nicht an der Nachfrage, sondern an der Bürokratie:

  • Registrierungen und Meldungen für Steuern und Produktverantwortung in den einzelnen Ländern.
  • Zollabwicklung bei B2C-Sendungen.
  • Einheitliche Fahrzeugverwendungsliste bei eBay (ein standardisiertes, zentral pflegbares Fitment-Schema über alle Länder).

 

🎙️ Wie könnten eBay oder PlentyONE internationale Verkäufe künftig noch leichter machen?

💬 Peer: 

  • In Bezug auf PlentyONE:
    • Noch stärkere Unterstützung bei Steuersätzen, EPR und rechtlichen Pflichtfeldern pro Land.
    • Geführte Setups für neue Märkte, die typische Stolpersteine abfragen.

  • Von eBay wünsche ich mir:
    • Einen einheitlichen, klar strukturierten Kategoriebaum über alle Länder.
    • Ein deutlich besseres, einheitliches Handling der Fahrzeugverwendungslisten (Fitment), idealerweise zentral pflegbar.
    • Mehr Möglichkeiten, Preise je Land sauber und differenziert zu steuern.
    • Einfachere Steuerung von Versand- und Bearbeitungszeiten pro Land, Versandprofil und Lagerstandort.


Best Practices: Tipps und Vorbereitung für den internationalen Verkauf über eBay



🎙️ Welche Märkte funktionieren für Heavy Tuned aktuell am besten – und warum? 

💬 Peer: Sehr stark laufen für uns Frankreich, Italien und Spanien im Roller- und Scooterbereich. Die Zweiradkultur ist dort ausgeprägt, viele Alltagsfahrzeuge, und die Zahlungsbereitschaft für Markenprodukte ist da. Österreich und Teile von Osteuropa sind gute Ergänzungen, weil Logistik und Sprache vergleichsweise einfach sind.


🎙️ Welche Tipps würdest du anderen eBay-Händlern geben, die mit internationalem Verkauf starten möchten?

💬 Peer:

  • Nicht mit dem kompletten Sortiment starten, sondern mit den Top-Sellern.
  • Vorher Versandkosten, Laufzeiten und Retourenwege klären.
  • Preise pro Markt sauber kalkulieren, inklusive Gebühren und Steuern.
  • Produktdaten und Übersetzungen nicht unterschätzen.
  • Mit einem System wie PlentyONE arbeiten, statt alles manuell zu steuern.


🎙️ Wie sollte man sich auf Cross-Border-Trade vorbereiten?

💬 Peer: 3 Punkte hier sind Pflicht – wer diese Themen im Griff hat, kann den Rest nach und nach optimieren:

  • Logistik und Versandstrategie klären.
  • Steuerthemen und rechtliche Rahmenbedingungen prüfen.
  • Datenqualität sichern, vor allem bei Varianten, Fahrzeugzuordnungen und technischen Angaben. 

 

🎙️Gibt es Tools, Partner oder Vorgehensweisen, die du besonders empfehlen würdest?

💬 Peer:

  • Ein zentrales System wie PlentyONE für Marktplätze, Bestände und Auftragsabwicklung.
  • Einen Steuerberater mit internationaler E-Commerce-Erfahrung.
  • Gute Versandpartner mit klaren CBT-Angeboten.
  • Und intern einen Verantwortlichen, der das Thema Cross-Border dauerhaft betreut, nicht nur “nebenbei”.

 

Der CBT-Effekt: Risikostreuung, Skalierung und neue Standards


🎙️Was hat der internationale Handel für dein Business verändert?

💬 Peer: Cross-Border-Handel hat unser Geschäft stabiler und skalierbarer gemacht. Wir hängen nicht mehr an einem Land und können saisonale Effekte ausgleichen. Gleichzeitig zwingt er uns, professioneller zu arbeiten, weil Fehler international schneller und teurer werden.