Handelsspanne berechnen: Formel, Beispiele und Kalkulation für den Handel
Der Unterschied zwischen Marge und Aufschlag klingt nach Haarspalterei – ist aber der häufigste Grund, warum Händler ihre Preise zu niedrig ansetzen. Im E-Commerce, wo Marktplatzgebühren, Fulfillment-Kosten und Retourenquoten die Profitabilität stark belasten, ist eine unpräzise Preiskalkulation ein massives Risiko. Wer die eigene Handelsspanne nicht bis auf die Nachkommastelle kennt und operativ steuert, verliert schnell die Kontrolle über das Wachstum. Eine präzise Margenkalkulation ist daher das Fundament, um typische Fehler zu vermeiden und die Profitabilität über alle Verkaufskanäle hinweg abzusichern.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist die Handelsspanne? Definition und Bedeutung
- Handelsspanne berechnen: Formel und Vorgehen
- Handelsspanne, Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor – die Unterschiede
- Verkaufspreis aus Handelsspanne berechnen
- Handelsspanne im Einzelhandel und E-Commerce: typische Werte
- Häufige Fehler bei der Margenberechnung – und wie Sie sie vermeiden
- Handelsspanne im operativen E-Commerce steuern
- Fazit: Margenkontrolle als operative Disziplin
- Häufig gestellte Fragen
Was ist die Handelsspanne? Definition und Bedeutung
Die Handelsspanne (oft auch schlicht Marge oder Spanne genannt) ist die betriebswirtschaftliche Differenz zwischen dem Nettoverkaufspreis und dem Einstandspreis einer Ware. Sie gibt exakt an, wie viel Prozent des Verkaufspreises dem Händler als Rohertrag im Unternehmen verbleiben. Dieser Rohertrag muss ausreichen, um alle weiteren operativen Kosten (Personal, Miete, Marketing, IT) zu decken und am Ende einen Gewinn zu erwirtschaften.
Handelsspanne, Marge, Spanne – die Begriffe im Vergleich
Im Handelsalltag werden diese Begriffe oft synonym verwendet. Fachlich betrachtet meinen Handelsspanne, Bruttomarge und Spanne in der Regel dasselbe: den Anteil am Umsatz, der nach Abzug der direkten Warenbeschaffungskosten übrig bleibt.
Ein entscheidender Faktor bei dieser Definition ist der Einstandspreis. Er ist nicht identisch mit dem reinen Einkaufspreis beim Lieferanten. Der Einstandspreis (auch Bezugspreis genannt) umfasst den Listenpreis abzüglich Lieferantenrabatten und Skonti, jedoch zuzüglich aller Bezugskosten. Dazu zählen Transport, Frachtversicherung, Zölle und die erste Umverpackung. Wer nur den nackten Einkaufspreis zur Berechnung heranzieht, verfälscht seine Handelsspanne von Beginn an.
Warum die Handelsspanne im E-Commerce besonders kritisch ist
Im stationären Einzelhandel sind die Kostenstrukturen oft starrer und planbarer. Im E-Commerce hingegen herrscht eine hohe Dynamik. Die Handelsspanne muss hier deutlich mehr variable Kostenblöcke abfedern.
Wird ein Artikel über den eigenen Onlineshop verkauft, fallen Payment-Gebühren und Pick-and-Pack-Kosten an. Wird derselbe Artikel auf einem Marktplatz angeboten, kommen sofort prozentuale Verkaufsprovisionen hinzu. Zudem variieren die Retourenquoten je nach Kategorie enorm. Ein solides Verständnis der Handelsspanne ist daher das Fundament, um überhaupt beurteilen zu können, ob ein Produkt auf einem bestimmten Kanal profitabel verkauft werden kann oder ob es aus dem Sortiment genommen werden muss.
Handelsspanne berechnen: Formel und Vorgehen
Mathematik verzeiht keine Ungenauigkeiten. Wer im E-Commerce nachhaltig wachsen will, muss die Formeln zur Berechnung der Spanne aus dem Effeff beherrschen. Grundsätzlich lässt sich die Handelsspanne auf zwei Arten ausdrücken: als absoluter Wert in Euro oder als relativer Wert in Prozent. Wichtig ist dabei eine eiserne Regel: Gerechnet wird immer mit Nettobeträgen. Die Umsatzsteuer ist ein durchlaufender Posten und hat in der Margenkalkulation nichts verloren.
Die Grundformel auf einen Blick
Für die korrekte Berechnung werden lediglich zwei Werte benötigt: der Nettoverkaufspreis und der Einstandspreis.
Absolute Handelsspanne (€) = Nettoverkaufspreis − Einstandspreis
Relative Handelsspanne (%) = (Nettoverkaufspreis − Einstandspreis) / Nettoverkaufspreis × 100
Alternativ lässt sich die prozentuale Spanne auch über diese kürzere Formel ermitteln:
Handelsspanne (%) = (1 − (Einstandspreis / Nettoverkaufspreis)) × 100
Absolute Handelsspanne (in Euro) berechnen
Die absolute Handelsspanne zeigt den exakten Euro-Betrag, den ein Händler an einem verkauften Artikel verdient, bevor die Fixkosten abgezogen werden. Dieser Wert ist besonders wichtig für die Deckungsbeitragsrechnung.
Wird ein Produkt für 40 Euro (netto) eingekauft (inklusive aller Bezugskosten) und für 100 Euro (netto) verkauft, beträgt die absolute Handelsspanne exakt 60 Euro. Diese 60 Euro sind der Spielraum für Marketing, Fulfillment und den finalen Gewinn.
Handelsspanne in Prozent berechnen
Die prozentuale Handelsspanne ist die wichtigere Kennzahl für die strategische Steuerung des Sortiments. Sie macht Produkte mit unterschiedlichen Preisniveaus vergleichbar. Ein Artikel für 10 Euro und ein Artikel für 1.000 Euro lassen sich so hinsichtlich ihrer Profitabilität direkt gegenüberstellen.
Mit den Werten aus dem obigen Beispiel ergibt sich: ((100 € − 40 €) / 100 €) × 100 = 60 %. Die Handelsspanne beträgt in diesem Fall 60 Prozent.
Praxisbeispiel: T-Shirt im Onlineshop
Ein Modehändler kauft ein T-Shirt beim Produzenten ein. Der reine Einkaufspreis beträgt 8,00 €. Hinzu kommen 1,50 € für Transport und Zoll sowie 0,50 € für die Polybag-Verpackung. Der Einstandspreis liegt somit bei 10,00 € netto. Der Händler verkauft das T-Shirt in seinem Onlineshop für 25,00 € netto (entspricht 29,75 € brutto inkl. 19 % MwSt.).
Berechnung:
- Absolute Spanne: 25,00 € − 10,00 € = 15,00 €
- Prozentuale Spanne: (15,00 € / 25,00 €) × 100 = 60 %
Der Händler weiß nun: 60 Prozent des Nettoverkaufspreises stehen zur Deckung von Shop-Kosten, Payment-Gebühren, Retouren und als Gewinn zur Verfügung.
Handelsspanne, Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor – die Unterschiede
Während die Handelsspanne vom Verkaufspreis rückwärts blickt, rechnet der Kalkulationszuschlag vom Einkaufspreis vorwärts. Diese gegensätzliche Blickrichtung ist die häufigste Fehlerquelle in der kaufmännischen Praxis. Wer diese Konzepte vermischt, wird unweigerlich Preise zu niedrig ansetzen und Margenverluste erleiden.
Die Handelsspanne (Marge) beantwortet die Frage: Wie viel Prozent meines Verkaufspreises ist mein Rohertrag? Der Kalkulationszuschlag (Aufschlag) beantwortet die Frage: Wie viel Prozent muss ich auf meinen Einstandspreis aufschlagen, um meinen gewünschten Verkaufspreis zu erreichen?
Kalkulationszuschlag berechnen: Formel und Beispiel
Der Kalkulationszuschlag wird immer in Prozent angegeben. Die Basis (100 Prozent) ist hierbei der Einstandspreis, nicht der Verkaufspreis.
Kalkulationszuschlag (%) = ((Nettoverkaufspreis − Einstandspreis) / Einstandspreis) × 100
Am T-Shirt-Beispiel (Einstandspreis 10 €, Nettoverkaufspreis 25 €): ((25 € − 10 €) / 10 €) × 100 = 150 %.
Der Händler muss also einen Kalkulationszuschlag von 150 Prozent auf den Einstandspreis aufschlagen, um den Verkaufspreis zu erreichen. Obwohl die Handelsspanne 60 Prozent beträgt, liegt der Aufschlag bei 150 Prozent. Dieser massive numerische Unterschied verdeutlicht, warum eine präzise Begrifflichkeit so wichtig ist.
Kalkulationsfaktor: die schnellste Form der Preiskalkulation
Der Kalkulationsfaktor ist eng mit dem Zuschlag verwandt, dient aber als schneller Multiplikator im Tagesgeschäft. Er gibt an, mit welchem Wert der Einstandspreis multipliziert werden muss, um den Verkaufspreis zu erhalten.
Kalkulationsfaktor = Nettoverkaufspreis / Einstandspreis
Für das T-Shirt: 25 € / 10 € = 2,5. Der Kalkulationsfaktor beträgt 2,5. Kauft der Händler künftig ein neues Shirt für 12 Euro ein und möchte dieselbe Margenstruktur beibehalten, rechnet er einfach: 12 € × 2,5 = 30 € Nettoverkaufspreis.
Umrechnungstabelle: Marge ↔ Aufschlag
Damit im operativen Geschäft nicht jedes Mal neu gerechnet werden muss, hilft eine feste Umrechnungstabelle. Sie gehört an den Arbeitsplatz jedes Einkäufers und Pricing-Managers.
Gewünschte Handelsspanne (Marge auf VP) |
Benötigter Kalkulationszuschlag (Aufschlag auf EK) |
|---|---|
20 % |
25,0 % |
25 % |
33,3 % |
30 % |
42,9 % |
40 % |
66,7 % |
50 % |
100,0 % |
60 % |
150,0 % |
70 % |
233,3 % |
Die Formeln zur direkten Umrechnung lauten:
Aufschlag = Marge / (1 − Marge)
Marge = Aufschlag / (1 + Aufschlag)
(Hinweis: Setzen Sie die Prozentwerte hierbei als Dezimalzahlen ein, z. B. 0,20 für 20 %.)
Verkaufspreis aus Handelsspanne berechnen
Stellen Sie sich vor, Sie nehmen eine neue Produktlinie in Ihr Sortiment auf. Sie kennen Ihren Einstandspreis und wissen aus Ihrer betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA), dass Sie zwingend eine Handelsspanne von 40 Prozent benötigen, um profitabel zu arbeiten. Wie ermitteln Sie nun den korrekten Verkaufspreis?
Viele Händler rechnen fälschlicherweise: Einstandspreis + 40 Prozent. Das ist der klassische Margen-Fehler. Wer auf 100 Euro Einstandspreis einfach 40 Prozent aufschlägt, landet bei 140 Euro. Die tatsächliche Marge bei einem Verkaufspreis von 140 Euro beträgt aber nur 28,5 Prozent ((40/140) × 100). Damit hat man sich soeben um 11,5 Prozentpunkte Profit gebracht.
Vom Einstandspreis zum Verkaufspreis – Schritt für Schritt
Um den Verkaufspreis anhand einer Zielmarge korrekt zu berechnen, nutzen Sie diese Formel:
Nettoverkaufspreis = Einstandspreis / (1 − Handelsspanne in Dezimal)
Beträgt der Einstandspreis 100 Euro und sollen 40 Prozent echte Handelsspanne erzielt werden, rechnet man: 100 € / (1 − 0,40) = 100 € / 0,60 = 166,67 €.
Der Nettoverkaufspreis muss 166,67 Euro betragen. Nur so bleiben nach Abzug der 100 Euro Einstandspreis exakt 66,67 Euro Rohertrag übrig. Und 66,67 Euro entsprechen exakt 40 Prozent von 166,67 Euro.
Kalkulationsschema in der Übersicht:
Kalkulationsschritt |
Wert (Beispiel) |
|---|---|
+ Wareneinkaufspreis (netto) |
90,00 € |
+ Bezugskosten (Fracht, Zoll) |
10,00 € |
= Einstandspreis |
100,00 € |
+ Kalkulationszuschlag (hier: 66,7 %) |
66,67 € |
= Nettoverkaufspreis |
166,67 € |
+ Umsatzsteuer (19 %) |
31,67 € |
= Bruttoverkaufspreis (Ladenpreis) |
198,34 € |
Mindestmarge definieren – wie tief darf der Preis sinken?
Im E-Commerce herrscht starker Preisdruck. Repricing-Tools passen Verkaufspreise oft mehrmals täglich an die Konkurrenz an. Um hier nicht in die Verlustzone zu rutschen, müssen Händler eine absolute Schmerzgrenze definieren: die Mindestmarge.
Die Mindestmarge ist die Handelsspanne, die exakt ausreicht, um die variablen Stückkosten (Payment, Fulfillment, Marktplatzgebühr, anteilige Retourenkosten) zu decken. Fällt der Preis darunter, zahlt der Händler bei jedem Verkauf drauf. Eine professionelle zentrale Warenwirtschaft erlaubt es, diese Mindestmargen auf Artikelebene zu hinterlegen und als harten Stopp für automatisiertes Repricing zu definieren.
Handelsspanne im Einzelhandel und E-Commerce: typische Werte
Der deutsche Onlinehandel wuchs 2025 laut HDE Online-Monitor um 3,9 Prozent auf 92,3 Milliarden Euro netto. Doch Umsatz ist nicht gleichbedeutend mit Ertrag. Der Wettbewerb ist härter geworden, die Akquisitionskosten steigen, und die Margen geraten unter Druck. Multichannel-Händler verzeichnen branchenübergreifend tendenziell eine geringere Bruttomarge als reine Onlineshop-Betreiber, da die Komplexität der Kanäle Geld kostet.
Um einschätzen zu können, ob die eigene Kalkulation marktgerecht ist, lohnt sich ein Blick auf die durchschnittlichen Handelsspannen verschiedener Branchen.
Branchen-Benchmarks im Überblick
Die Spannen variieren extrem je nach Sortiment. Während Elektronik von hohen Volumina und geringen Margen lebt, erfordert die Modebranche hohe Margen, um die massiven Retourenkosten abzufedern.
Branche |
Typische Brutto-Handelsspanne |
|---|---|
Lebensmittel / FMCG |
10 – 30 % |
Elektronik / Consumer Electronics |
5 – 25 % |
Heimwerken / Garten |
25 – 40 % |
Drogerie / Beauty |
30 – 50 % |
Spielwaren |
30 – 50 % |
Sport & Outdoor |
40 – 55 % |
Möbel & Einrichten |
40 – 60 % |
Mode / Fashion |
50 – 70 % |
Schmuck & Accessoires |
50 – 80 % |
Diese Werte dienen als grobe Richtschnur. Ein Händler, der exklusive Eigenmarken im Beauty-Segment vertreibt, wird deutlich höhere Spannen erzielen als jemand, der bekannte Elektronik-Markenartikel im harten Preiskampf anbietet.
Wie Marktplatz-Provisionen Ihre Marge auffressen
Ein massiver Margenkiller im modernen Handel sind die Gebühren externer Plattformen. Wer seine Artikel nicht nur im eigenen Shop, sondern über einen breiten Multichannel-Vertrieb anbietet, muss die Verkaufsprovisionen exakt in die Margenberechnung einbeziehen. Diese Provisionen werden in der Regel vom Bruttoverkaufspreis (inkl. MwSt.) abgezogen, was den Effekt auf die Netto-Marge nochmals verschärft.
Marktplatz |
Typische Verkaufsprovision |
|---|---|
eBay |
5 – 15 % (+ 0,45 € Festgebühr) |
4 – 16 % |
|
Amazon |
7 – 15 % |
7 – 15 % |
|
Zalando Partnerprogramm |
5 – 25 % |
Kanalspezifische Margen-Kalkulation
Aufgrund dieser Gebührenstrukturen ist ein einheitlicher Verkaufspreis über alle Kanäle hinweg oft betriebswirtschaftlich unsinnig. Ein Produkt, das im eigenen Shop bei 30 Prozent Marge hochprofitabel ist, rutscht auf Amazon durch 15 Prozent Provision und FBA-Gebühren (Fulfillment by Amazon) schnell in die roten Zahlen.
Erfolgreiche Multichannel-Seller arbeiten daher mit kanalspezifischen Preisen. Sie berechnen die Handelsspanne für jeden Marktplatz separat. Eine leistungsfähige E-Commerce-Plattform wie PlentyONE ermöglicht es, Basispreise zu definieren und für Kanäle wie die Amazon-Integration oder die eBay-Integration automatische prozentuale Aufschläge zu hinterlegen. So bleibt die Zielmarge auf jedem Kanal gewahrt, ohne dass Mitarbeiter Hunderte Preise manuell pflegen müssen.
Häufige Fehler bei der Margenberechnung – und wie Sie sie vermeiden
Ein einziger systematischer Rechenfehler potenziert sich mit jeder eingehenden Bestellung. Wer die folgenden Stolpersteine nicht kennt, verliert unbemerkt Liquidität. Überprüfen Sie Ihre aktuellen Prozesse auf diese sieben klassischen Fehler:
- Marge mit Aufschlag verwechseln: Der absolute Klassiker. Wer 30 Prozent Marge will und einfach 30 Prozent auf den Einkaufspreis aufschlägt, erzielt de facto nur 23 Prozent Marge. Nutzen Sie immer die korrekten Umrechnungsformeln.
- Bruttowerte statt Nettowerte verwenden: Die Handelsspanne wird ausschließlich netto berechnet. Wer die Mehrwertsteuer in die Kalkulation einbezieht, bläht seine Marge künstlich auf. Die Steuer gehört dem Finanzamt, nicht dem Händler.
- Unvollständiger Einstandspreis: Der Einkaufspreis auf der Lieferantenrechnung ist nicht das Ende der Fahnenstange. Fracht, Seefracht-Zuschläge, Zölle und die Kosten für den Wareneingang müssen auf den Stückpreis heruntergebrochen werden.
- Ignorieren der Retourenkosten: Besonders in der Modebranche (mit Retourenquoten von bis zu 50 Prozent) ist dieser Fehler fatal. Die Kosten für Hin- und Rückversand, Aufbereitung und Wertverlust müssen als Risikoabschlag in die Margenkalkulation einfließen.
- Marktplatzgebühren nachträglich abziehen: Provisionen dürfen keine böse Überraschung am Monatsende sein. Sie müssen vorab als fixer Kostenblock in die kanalspezifische Mindestmarge eingerechnet werden.
- Kalkulation auf Basis von Listenpreisen: Berechnen Sie Ihre Marge nicht auf Basis theoretischer UVPs (Unverbindliche Preisempfehlung), wenn Sie in der Praxis ständig Rabatte, Gutscheincodes oder Staffelpreise gewähren. Kalkulieren Sie mit dem tatsächlichen, rabattierten Transaktionspreis.
- Pauschale Branchenmargen anwenden: Die Annahme „In der Branche machen alle 40 Prozent, also mache ich das auch" ist gefährlich. Ihre individuelle Kostenstruktur (Miete, Software, Personal) bestimmt, welche Marge Sie zum Überleben brauchen.
Handelsspanne im operativen E-Commerce steuern
Die Zeiten starrer Preislisten sind im modernen Handel endgültig vorbei. Einkaufspreise schwanken durch volatile Frachtraten, Marktplätze passen ihre Gebührenstrukturen an und der Wettbewerb ändert Preise mehrmals täglich. Wer versucht, diese Komplexität manuell zu beherrschen, verliert.
Warum Excel an seine Grenzen kommt
Viele Händler starten mit umfangreichen Excel-Tabellen zur Margenkalkulation. Für ein Sortiment von 50 Artikeln in einem einzelnen Onlineshop mag das funktionieren. Sobald jedoch Hunderte oder Tausende SKUs (Stock Keeping Units) über mehrere Plattformen vertrieben werden, wird Excel zum Flaschenhals.
Daten-Silos entstehen, Aktualisierungen verzögern sich, und menschliche Übertragungsfehler schleichen sich ein. Wenn der Lieferant den Einkaufspreis um 5 Prozent anhebt, muss diese Information unmittelbar zu einer Anpassung der Verkaufspreise auf allen Kanälen führen. Diese operative Durchstichkraft kann Excel nicht leisten.
Was eine zentrale Plattform leisten muss
Um die Handelsspanne operativ und automatisiert zu steuern, braucht es Systemunterstützung, die tief in die Geschäftsprozesse integriert ist. Ein solches System zur Margensteuerung sollte folgende Anforderungen erfüllen:
- Zentrale Datenhaltung: Der gleitende Durchschnittseinkaufspreis (GLD) muss laufend aus dem Wareneingang berechnet werden.
- Multichannel-Pricing: Das System muss es erlauben, pro Kanal unterschiedliche Preisregeln und Aufschläge zu definieren.
- Automatisierte Preisberechnung: Bei einer Änderung des Einstandspreises müssen alle abhängigen Verkaufspreise regelbasiert neu kalkuliert werden.
- Deckungsbeitragsrechnung: Gebühren, Versandkosten und Payment-Kosten müssen auf Auftragsebene abziehbar sein, um den echten Nettoertrag zu zeigen.
So setzen Händler dynamische Margen mit PlentyONE um
Genau an diesem Punkt der Prozessreibung setzt PlentyONE an. Als umfassende E-Commerce-ERP-Plattform führt PlentyONE alle relevanten Datenströme zusammen. Der Einstandspreis wird direkt im Einkauf und Wareneingang erfasst und fortlaufend aktualisiert.
Über das Preisregel-Modul können Händler detailliert festlegen, wie sich Verkaufspreise verhalten sollen. Sie definieren beispielsweise eine Zielmarge von 35 Prozent für den Onlineshop und eine Zielmarge von 45 Prozent für Marktplätze, um deren Gebühren zu kompensieren. Steigt der Einkaufspreis, passt PlentyONE die Verkaufspreise auf Basis dieser Regeln automatisch an und synchronisiert sie über alle angebundenen Kanäle.
Zusätzlich liefern die integrierten Business-Intelligence-Funktionen klare Dashboards. Auf einen Blick wird sichtbar, welche Artikel, Marken oder Verkaufskanäle die höchste echte Handelsspanne abwerfen und wo aufgrund von Retouren oder Gebühren Geld verbrannt wird. Diese Transparenz gibt die Kontrolle zurück und ermöglicht verlässliches, profitables Wachstum.
[Jetzt kostenlose Demo buchen]
Fazit: Margenkontrolle als operative Disziplin
Die Handelsspanne zu berechnen ist keine einmalige Aufgabe für den Jahresabschluss, sondern eine tägliche, operative Disziplin. Wer die Formeln beherrscht, den Unterschied zwischen Marge und Aufschlag verinnerlicht hat und seine Einstandspreise akribisch pflegt, legt das Fundament für ein gesundes Handelsunternehmen.
Im dynamischen E-Commerce-Umfeld reicht theoretisches Wissen jedoch nicht aus. Die Herausforderung besteht darin, diese Kalkulationsregeln fehlerfrei und kanalübergreifend auf Tausende Artikel und diverse Verkaufskanäle anzuwenden. Genau hier entscheidet sich, ob ein Händler im Preiswettbewerb langfristig bestehen kann. Wer auf automatisierte Prozesse und zentrale Systeme setzt, sichert seine Profitabilität nachhaltig ab.
[Jetzt PlentyONE kostenlos testen oder eine persönliche Demo buchen]
Häufig gestellte Fragen
Wie rechne ich die Handelsspanne aus?
Sie subtrahieren den Einstandspreis (netto) vom Verkaufspreis (netto). Das Ergebnis ist die absolute Handelsspanne in Euro. Um den Prozentwert zu erhalten, teilen Sie diese absolute Spanne durch den Nettoverkaufspreis und multiplizieren das Ergebnis mit 100.
Ist die Handelsspanne dasselbe wie die Marge?
Im allgemeinen kaufmännischen Sprachgebrauch werden Handelsspanne und Marge (insbesondere die Bruttomarge) meist synonym verwendet. Beide beschreiben den prozentualen Anteil am Verkaufspreis, der nach Abzug der direkten Warenkosten als Rohertrag im Unternehmen verbleibt.
Wie hoch sollte die Handelsspanne sein?
Es gibt keinen pauschalen Idealwert, da dies stark von der Branche abhängt. Im Elektronikhandel sind Spannen von 15 bis 25 Prozent üblich, in der Modebranche oft 50 bis 70 Prozent. Die Spanne muss zwingend hoch genug sein, um alle Fixkosten, variablen Kosten (Fulfillment, Payment) und das Retourenrisiko zu decken und einen Gewinn zu erzielen.
Sind 20 % Marge dasselbe wie 25 % Aufschlag?
Ja, mathematisch gesehen bedeuten 20 Prozent Marge (Handelsspanne auf den Verkaufspreis) exakt dasselbe wie 25 Prozent Aufschlag (Kalkulationszuschlag auf den Einstandspreis). Wer für 80 Euro einkauft und 25 Prozent aufschlägt, landet bei 100 Euro. Die 20 Euro Differenz entsprechen genau 20 Prozent des Verkaufspreises von 100 Euro.
Mit welchen Preisen wird die Handelsspanne berechnet – brutto oder netto?
Die Berechnung erfolgt immer und ausnahmslos mit Nettopreisen. Die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) ist ein durchlaufender Posten, der an das Finanzamt abgeführt werden muss. Sie darf niemals Teil der Margenkalkulation sein.
Wie kalkuliere ich die Handelsspanne im Multichannel?
Im Multichannel-Vertrieb muss die Spanne für jeden Verkaufskanal separat berechnet werden. Marktplätze wie Amazon oder eBay erheben unterschiedliche Verkaufsprovisionen und Fixgebühren. Ein Artikel benötigt daher oft kanalspezifische Verkaufspreise, um auf jedem Marktplatz die gewünschte Zielmarge zu erreichen.